Naturbrut oder Handaufzucht?

Überlegungen vor dem Kauf

 

So, jetzt melde ich, die Mädi, mich zu Wort.  

 

 

Es gibt viel zu überlegen, bevor man sich so ein kleines Nympherl anschafft.

 

Willst Du die Verantwortung für ein Lebewesen die nächsten 20 oder gar 30 Jahre übernehmen ? Ich bin kein Spielzeug oder ein Kuscheltier, ich kann auch nicht einfach in einer Ecke abgestellt werden. Ich habe wie jedes Lebewesen meine Bedürfnisse:

- Ich fühle mich nur in Gesellschaft mindestens eines anderen Nymphen wohl.

- Wir brauchen täglich frisches gutes Futter und Wasser, außerdem auch Obst, Gemüse und Grünzeug wie Vogelmiere, Löwenzahn oder Gräser, ab und zu mal Kolbenhirse und Keimfutter. Wichtig sind auch Grit, Kalk und Mineralstoffe für mich. Wöchentlich gehört mein Heim gereinigt und öfters auch meine Sitzstangen, wenn ich sie voll Kot gemacht habe. Außerdem gehört mindestens 1x im Monat der Käfig ganz gereinigt.

- Wir brauchen einen ruhigen, hellen, zugfreien Standort für unseren Käfig, der bei einem Pärchen mit tgl. Freiflug mindestens eine Größe von 1,5 m Länge x 0,7 m Breite x 1m Höhe (lt. Tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz e.V.) haben soll, damit wir selbst im Käfig noch kurze Strecken fliegen können, ohne mit den Flügeln anzustoßen.

- Wir brauche auch täglich mehrere Stunden Freiflug.

- Sollten wir mal krank werden, musst Du uns zum Tierarzt bringen, auch wenn der Weg weit ist und die Kosten hoch sind.

- Wir machen auch viel Dreck (Federstaub, Federn, Körner, Kot). Außerdem sind wir kleine fliegende Motorsägen, d.h. wir knabbern alles an, was vor unsere Schnäbel kommt.

- Du solltest Dir auch schon im Voraus überlegen, wer uns versorgt, wenn Du mal in den Urlaub fährst.

 

Wir machen aber auch sehr viel Freude durch unsere neugierige, verspielte Art.
 

Hier ein paar Beispiele was wir Nymphen so alles gerne anstellen.
 

So gestalteten die Nymphen von Maja ihr Vogelzimmer um
 

Nun zu einer weiteren wichtigen Überlegung. Nehme ich eine Naturbrut oder eine Handaufzucht?

 

Meiner Meinung nach wird oft vergessen, dass man den Handaufzuchten die Nähe und Zärtlichkeit der Elternvögel nimmt.
Versetzen wir uns doch mal in die Lage eines Küken.

Naturbrut:
Das Küken sitzt mit seinen Geschwistern im Nest, wird durch den Körperkontakt mit den Eltern gewärmt und hört ihre vertrauten Stimmen, die es von Anfang an kennt. Die Vogeleltern füttern und umhegen das Küken und dessen Geschwister und sind ständig für die Jungvögel da. Irgendwann wird das Küken größer, wird neugierig und schaut aus dem Nistkasten, wo Mama und Papa immer hinfliegen. Irgendwann nimmt es seinen ganzen Mut zusammen und folgt den Eltern, die auch in der neuen "großen" Welt noch eine Weile für den Jungvogel da sind, bis er schließlich vollkommen selbstständig ist.
Er beobachtet wie Mama und Papa sich kraulen, füttern, fliegen und sich putzen, was sie fressen usw. Er kann mit seinen Geschwistern die neue Welt erkunden und hat genügend Zeit, sich die natürlichen Verhaltensweisen der Eltern abzuschauen und zu erlernen.
Auch die Elternvögel können ihre Jungen bis zur Selbstständigkeit begleiten und stolz zusehen, wie aus ihren Babys selbständige "Halbstarke" werden.



Handaufzucht:
Das Küken sitzt im günstigsten Fall einige Wochen mit seinen Geschwistern zusammen ebenfalls im Nest und wird von den Eltern umsorgt.
Dann wird es plötzlich samt Geschwistern aus dem Nest genommen und in eine Schüssel oder einen Kasten gesetzt.
Wo ist nur die Vogelmama geblieben, die das Küken und seine Geschwister gewärmt und beschützt hat. Es ist zwar auch nicht kalt( künstliche Wärme), aber wo sind die Eltern? Keine Vogelmamastimme mehr ! Das Küken hat Hunger und dann nähert sich ein anderes riesiges Wesen (Mensch) und da das Küken nicht verhungern will, nimmt es von diesem Wesen Futter aus einem fremden Gegenstand (Spritze, Löffel usw.) an, es bleibt ihm ja schließlich nichts anderes übrig.
Wenn das Küken Glück hat, nimmt sich das riesige Wesen ab und zu Zeit und versucht, die körperliche, beschützende Nähe der Eltern durch Streicheleinheiten zu ersetzen.
Wenn es Pech hat, wird es nach dem Füttern wieder bis zur nächsten Mahlzeit beiseite gestellt. Hoffendlich ist dann wenigstens noch ein Geschwisterchen da, mit dem man kuscheln kann.
Es wächst ebenfalls heran, aber es sind keine Eltern mehr da, die den jungen Vogel in die große Welt begleiten und ihm zeigen, wie man sich richtig putzt, was man fressen darf und wie sich ein normaler Vogel verhält. Nur die Geschwister, die auch alle "grün hinter den Ohren sind", sind da, um zu üben.
Die junge Rasselbande erkundet die Welt auf eigene Faust, es bleibt ihnen ja auch nichts anderes übrig, Mama und Papa sind als Lehrer ja nicht mehr da.

Und was passiert mit den Vogeleltern, nachdem ihnen die Vogelbabys gestohlen wurden? Sie schauen verdutzt in ihr Nest und müssen feststellen, dass ihre ganzen Babys verschwunden sind, die sie bis jetzt so liebevoll umsorgt haben. Wo sind sie nur hin ? Traurig blicken sie ins Leere.



Fazit: Verhaltensweisen können Jungvögel durch das vorzeitige Herausnehmen aus dem Elternnest nicht in der Vielfalt erlernen, wie es ein Naturbrutvogel kann. Eine Naturbrut kann auch noch nach dem Verlassen des Nestes von den Elternvögeln lernen. Auch die körperliche Nähe und die Sprache der Eltern wird dem Naturbrutküken nicht abrupt vorenthalten. Es hat Zeit, sich von den Eltern abzunabeln.
Wir Menschen wissen aus eigener Erfahrung und Studien, dass Babys, die Zuneigung und Zärtlichkeiten von klein auf bekommen, in ihrer Entwicklung nur davon profitieren.
Auch die Gefühle der Elternvögel, denen die Brut geklaut wird, sollte man nicht vergessen, schließlich haben wir es mit intelligenten Wesen zu tun, die auch trauern können.

 

 

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Auch wir sind Unzertrennliche und wollen nie alleine sein.