Handaufzucht

Ungewollte Eier

Hallihallo, ich, die Lisa, erzähle was zu der Eierlegerei, da kenne ich mich nämlich sehr gut aus. Meine Federlose hat nach vielen Eiern von mir schon mit meinem Tierarzt wegen einer Hormonbehandlung gesprochen. Ich ließ das Legen aber dann doch noch freiwillig bleiben.

Mal ganz kurz was Allgemeines: geschlechtsreif werden wir mit etwa 9 Monaten. Indem Alter sollten wir aber noch nicht brüten, da es uns noch zu sehr anstrengt und wir manchmal noch zu dumm zur Aufzucht der Jungen sind. Normalerweise legen wir Mädels jeden 2. Tag ein Ei, das ganze Gelege besteht aus 4 bis 6 Eiern, manchmal sogar bis 9 Eiern. Die Brutdauer beträgt bei uns Nymphies zwischen 18 und 21 Tagen. Wir können auch Eier legen, ohne einen Partner zu haben. Die Eier sind dann natürlich unbefruchtet.

 

 

In unserer australischen Heimat haben wir ganz unterschiedliche Lebensbedingungen. Eine lange Zeit des Jahres ist es sehr trocken, so dass wir gerade genügend Wasser und vor allem Futter für uns finden. Für die Aufzucht von Küken haben wir dann weder genügend Kraft noch Nahrung, so dass unser Bruttrieb durch die Natur unterdrückt wird.

Kommt dann allerdings der Regen und es gibt wieder Gräser im Überfluss, ändert sich unser Hormonspiegel, die Geschlechtsorgane erwachen aus ihrer Ruhephase und wir werden brutwillig. Unsere Hähne balzen die ganze Zeit, suchen Bruthöhlen und treten uns Hennen (so nennt man das, wenn er auf ihr...). Hat er dann die Bruthöhle ausgesucht und wurde sie von ihr für gut befunden, wird sie bezogen. Bald darauf legen wir auch die ersten Eier rein. Sind dann die Jungen ausgeflogen und passen die Bedingungen zur Brut immer noch, starten wir eine weitere Runde und es kommt das nächste Gelege.

 

 

So, aber nun zurück zu Dir nach Hause. Dort finde ich das ganze Jahr über optimale Bedingungen für eine Brut vor, wie angenehme Temperaturen, abwechslungsreiches Futter und vor allem immer genügend Vitamine. Anders schaut es bei der Haltung in einer Außenvoliere mit Schutzhaus aus. Da ist in den Wintermonaten die Außentemperatur sehr niedrig (sie darf aber im Schutzhaus nie unter +5°C fallen) und damit unser Bruttrieb automatisch unterdrückt. Wir kommen dann erst wieder in Stimmung, wenn die Sonne scheint und es wärmer wird.

 

 

Generell solltest Du Dir rechtzeitig vor der Eiablage überlegen, ob Du züchten, also uns Junge aufziehen lassen willst oder nicht. Es gibt genug arme, nicht mehr gewollte Seelen in Tierheimen und in Zeitungsinseraten, da müssen nicht noch meine Babys dazu kommen.

Solltest Du züchten wollen, findest Du mehr Informationen unter „Brut“.

 

 

 

 

Wenn Du nicht züchten willst, gibt es bestimmte Sachen zu beachten.

Du wirst sehr schnell merken, wenn wir in Brutstimmung kommen. Unsere Hähne balzen vermehrt, mehrmals täglich ist der Tretakt angesagt und vor allem sind wir ständig am Suchen nach dunklen Ecken und Höhlen. Solange wir noch keine Eier gelegt haben, kannst Du versuchen, durch Umstellung auf Diätfutter (ohne Sonnenblumenkerne), Weglassen von Keim- und Quellfutter, Gemüse, Obst und Vitaminpräparaten die Brutlust zu verringern. Auch die Verkürzung der Tageslichtzeit auf 8-10 Stunden kann die Eiablage verhindern. Übrigens muss es auch bei den deutlichsten Zeichen für Brutlust nicht jedes Mal zu einer Eiablage kommen.

 

 

 

 

Wenn ich kurz vor der Eiablage stehe, ist eine deutliche Beule im Bereich meines Rücken / Schwanzwurzel zu erkennen. Bitte beobachte mich genau in dieser Zeit. Sollte das Ei nicht innerhalb von ein paar Stunden rauskommen und ich anfangen zu pressen oder aufgeplustert in geduckter Haltung rumzusitzen, besteht Verdacht auf „Legenot“. Dies ist eine für mich lebensbedrohliche Notfallsituation und ich muss schnellst möglich zum Tierarzt!

 

 

Habe ich ein Ei gelegt, beachte es aber nicht, sagen viele Zweibeiner: Nimm’ es ihr bitte nicht einfach weg! Der Grund dafür ist auch einleuchtend: Wir Nymphen beginnen oft erst mit dem 2. Ei zu brüten. Außerdem versuchen wir immer, unsere Gelege zu vervollständigen, d.h. wenn ich in diesem Gelege z.B. 5 Eier haben soll (hormonbedingt), werde ich so lange weiterlegen, bis ich die 5 Eier habe. Nimmst Du mir Eier weg, lege ich wieder welche nach und werde so womöglich zur Dauerlegerin, was mich sehr anstrengt, auslaugt und für manche Nymphin schon tödlich endete.

Unsere Federlose (auch Mensch genannt) hat aber mit uns eine ganz andere Erfahrung gemacht: Wir 3 Paare saßen eine Zeit lang brav auf unseren Plastikeiern und brüteten. Da wir Nymphies ja nicht doof sind, merkten wir nach 3 Wochen, dass nichts aus den Eiern schlüpft und legten das nächste Gelege. Dieses Spielchen machten wir im Sommer 2003 dreimal, beim vierten Mal dachte sich die Federlose so kann es nicht weitergehen und entfernte Eier und Häuschen. Puhhh, ich sage Euch, das war schlimm für uns. Wir mussten den ganzen Tag suchen und schreien wo unsere Bruthäuschen und die Eier geblieben sind. Nach knapp einer Woche haben wir es dann aufgegeben und sind zur normalen Tagesordnung übergegangen. Den Nestbau haben wir für dieses Jahr dadurch eingestellt. 2004 bekamen wir gar kein Bruthäuschen. Es wurden zwar ein paar Eier gelegt, die aber gleich entfernt wurden und unsere Lieblingsnistecken wurden von Anfang an dicht gemacht. Auch gab es in dieser Zeit kein Grünfutter für uns. Dieser Sommer war lange nicht so anstrengend für uns Nymphen. Wir hatten viel mehr Zeit für uns und mussten nicht sooo viele Eier legen.

 

Habe ich ein Ei und bewache und bebrüte es, ist es gut, mir eine Nisthöhle aus Holz oder zur Not auch einen einfachen Karton zu geben. Da kann ich dann in aller Ruhe meinem Trieb nachgehen. Da Du ja keine Küken willst, ist es wichtig, das Ei gleich gegen ein Plastik-Ei auszutauschen (am Besten passen künstliche Wellensitticheier, die für kleine Großsittiche sind für uns eigentlich schon zu groß) oder das Ei wie ein Frühstücksei zu kochen. Allerdings habe ich mit den abgekochten Eiern keine guten Erfahrungen gemacht. Als ich 5 oder 6 Tage auf den gekochten Eiern saß, fingen die an, zu stinken - und ich stank anschließend auch wie eine Stinkbombe. Andere haben mit der Methode aber keine Probleme.

 

Bei uns Nymphen ist es üblich, dass sich der Hahn am Brutgeschäft beteiligt. Normalerweise übernehme ich die Nachtschicht und der Hahn die Tagschicht. Aber wir haben uns ja lieb und besuchen uns auch zwischendurch mal im Kasten. Während unserer Schicht bleiben wir fest auf den Eiern sitzen und trinken und futtern nichts, nicht einmal Kot setzen wir in diesen Stunden ab. Dafür machen wir aber nach der Schicht den sogenannten „Massenkot“, riesige, stinkende Pflatschen – ist ja auch kein Wunder nach ca. 12h.

 

 

Die Brutdauer bis zum Schlüpfen beträgt 18-21 Tage. Aber da wir ja Plastik-Eier unterm Hintern haben, kann natürlich nichts schlüpfen. Manche von uns hören nach 4-5 Wochen von selbst zu Brüten auf, weil sie das Gelege als hoffnungslos aufgeben, andere brüten aber unbeirrt weiter. Spätestens dann solltest Du anfangen, den Schlupf zu simulieren. Dabei entfernst Du einfach jeden 2. Tag ein Ei. Sind alle Eier weg, hören viele Paare auf, zu brüten. Aber wir 3 geschlechtsreifen Hennen hier bei Federmaus gehören zu den ganz fleißigen und machen uns sofort an das nächste Gelege. Spätestens jetzt solltest Du mit der Umstellung der Ernährung auf Diätfutter und mit der Verkürzung der Tageslichtzeit, wie oben beschrieben, beginnen.

 

 

Wir hier in unserer WG haben letztes Jahr sogar nach dem 2. Gelege wieder mit dem Nachlegen angefangen. Unsere Federlose musste dann richtig brutal zu uns sein und die Bruthäuschen entfernen und alle dunklen Ecken und höhlenartigen Nischen verbarrikadieren. Es war eine anstrengende und nervenaufreibende Woche für uns alle. Wir 6 Nymphen waren sehr unruhig, nur am suchen und schreien. Ich und meine beiden Freundinnen (Nicki und Mädi) legten jede noch 3 Eier irgendwo in der Voliere oder in der Wohnung, die wir aber nicht mehr weiter beachteten. Aber dann, nach einer Woche, fanden wir unsere Ruhe wieder und kehrten zum normalen Tagesablauf zurück. Nicki und Mädi haben seitdem keine Eier mehr gelegt, aber Max und ich wollten im Herbst und Anfang Dezember schon wieder für Nachwuchs sorgen. Durch die ganzen „Schlechte Zeiten“-Maßnahmen und ohne Nistkasten legte ich aber jedes Mal nur 3 Eier, die ich auch nicht bebrütete, und dann war es für mich wieder überstanden.

 

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Auch wir sind Unzertrennliche und wollen nie alleine sein.